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Tierschicksale

Jedes der Tiere auf dem Gnadenhof hat ein Schicksal, eine Biografie, eine Vergangenheit. Diese Geschichten sind sehr oft geprägt von Unverständnis, von Mißbrauch oder von körperlichen und seelischen Schmerzen und können das Verhalten eines Tieres oft verblüffend schlüssig erklären, denn nichts passiert ohne Grund! Und auf dem Gnadenhof lernen die Tiere aufs Neue, dass es Menschen gibt, denen sie vertrauen können.

 
 
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Dion

Ein zweijähriger Rottweiler-Mischling beißt einen Spaziergänger in den Oberschenkel. Sein Besitzer: Alkoholiker, unberechenbar. Einmal behandelt er den Hund sanft und zärtlich, dann drischt er wieder blindlings auf ihn ein. Dion wird extrem mißtrauisch, spürt Bedrohung, wo keine ist - und er beißt zu.
Die Polizei verordnet Maulkorbzwang. Der Besitzer hält sich nicht daran. Dion beißt wieder zu. Jetzt wird er beschlagnahmt. Er gilt als gefährlich. Niemand wagt sich zu ihm, denn er knurrt jeden an, der sich in seine Nähe kommt. Eigentlich ist das schon sein Todesurteil.
Doch die Polizei gibt ihm eine letzte Chance. Sie bringt ihn, mit zwei Maulkörben geknebelt, im Streifenwagen zum Gnadenhof. Dort iwrd er von den Beamten mit Hilfe einer Fangstange in einen Zwinger gezerrt.

Als Christiane Rohn zum Zwinger kommt, sieht sie einen wütenden Hund - und hinter der Fassade panische Angst, Unsicherheit und den tiefen Wunsch nach Liebe. Sie findet sofort Zugang zu Dion, als hätte sie Spezialantennen, mit denen sie auf tierisches Leid reagiert. Und daß sie das spürt, spürt auch Dion.
Wenige Monate später hat er Zutrauen und Vertrauen in ein neues Leben gefunden. Er ist ein freundlicher, zufriedener, ausgeglichener Lebensgefährte von Christiane Rohn geworden, mit neuer Sicherheit und neuem Selbstwertgefühl.

 


 
 
Katzen

Die völlig verwilderten Katzen unterschiedlichen Alters (8 Wochen bis ca. 10 Jahre) wollte ein Bauer eigentlich erschlagen, aber ein Nachbar brachte sie in Säcken zu uns. Da sie in einem sehr schlechten Gesundheitszustand waren (völlig verwurmt, Katzenschnupfen, viele Verletzungen, starker Flohbefall, Ohrenmilben usw.) hatten wir außer der medizinischen Versorgung auch einiges zu tun, um ihr Vertrauen zu gewinnen.
Inzwischen sind alle sieben Tiere kastriert und gesund - und teilweise auch schon vermittelt. Die älteren Katzen bleiben auf dem Hof, da sie wegen ihrer Scheuheit Schwierigkeiten haben, sich irgendwo anders einzugewöhnen. Fotos von der Genesung folgen.
Katzen

   

 

 

Basira

Diese junge Bordeaux-Dogge kommt aus Spanien. Sie sollte als Dummy, also als lebendige Übungspuppe beim illegalen Training von Kampfhunden benutzt werden. Solchen Dummys werden von brutalen Menschen die Augen ausgestochen, damit sie sich, wenn man die Kampfhunde auf sie hetzt, zwar heftig zur Wehr setzen, bis sie sterben, aber nicht fliehen können. Basira wurde vor diesem furchtbaren Schicksal durch die Hilfsorganisation www.podenco-in-not.de bewahrt, doch konnten ihre stark verletzten Augen auch mit einer Operation nicht mehr gerettet werden. Nun ist sie blind.
Es ist aber erstaunlich, wie schnell Basira gelernt hat, sich zurecht zu finden, und wie vergnügt und unbeschwert sie trotz ihrer Behinderung mit anderen Hunden spielt. Heute hat Basira - nach einer Reise über Zürich und den Vierwaldstättersee nach Deutschland - ein neues und endgültiges Zuhause bei Christiane Rohn (und der Dackelhündin Sien) gefunden. c                                                                                            
 

                                                                                           

 

 

   Rehkitz

An einem regnerischen Vormittag stand plötzlich ein Mann mit zwei Kindern und einem neugeborenen Rehkitz vor unserer Tür. Er war sehr verzweifelt, da er schon seit Stunden nach jemand suchte, der ihm bei der Unterbringung dieses kleinen Rehs helfen würde. Er war mit seiner Familie nur im Urlaub hier im Allgäu und hat bei einem Spaziergang das kleine Kitz gefunden. Ihm war bewusst, dass man kein Wildtier einfach aus dem Wald mitnehmen darf, vor allem würde es die Rehmutter nie mehr annehmen, wenn ein Mensch es angefasst hat. Aber er hatte beobachtet, dass seit der Geburt des Kleinen, die Mutter nicht mehr zurück gekommen war. Aus diesem Grund wollte er dem Kitz helfen, vor allem, weil es vom vielen Regen schon völlig durchnässt war. Aber einem Wildtier zu helfen ist nicht einfach, viele Menschen rieten ihm, es einzuschläfern oder erschießen zu lassen. Ihm wurde mitgeteilt, dass es Wilderei wäre und er es zurück an den Fundort bringen sollte. Irgendwann bekam er die Adresse von uns und da stand er nun.

 


 

Das kleine Rehkitz war sehr schwach und konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Wir machten dem Kleinen als erstes etwas Lämmermilch, denn Kuhmilch vertragen die meisten Jungtiere überhaupt nicht. Als es sich gut erholt hatte und schon munter in unserer Wohnung herum lief, riefen wir unseren Jäger an, der eine Anlaufstelle für verwaiste oder verletzte Wildtiere in der Nähe hat und das kleine Kitz dort hin brachte. Inzwischen ist aus dem kleinen Kitz ein junger Rehbock geworden, der gesund wieder frei herum läuft und nie erschossen wird. Der Mann mit seinen Kindern besuchte das Rehlein erst vor kurzem, als er wieder hier in der Nähe im Urlaub war.

 

 

 

   

 

 

 


 

 

 

 Sugar

„Ich kann manchen Menschen verstehen, der nach diesen Pressebildern davon ausgeht, einen unberechenbaren Hund vor sich zu haben. Besonders dann, wenn man eigentlich mit Hunden nicht viel zu tun hat. Ich kann jedoch absolut nicht verstehen, dass vor allem mancher Hundeexperte, Tierschützer und die Presse jegliche Objektivität verloren hat und dass es einige Reporter gab, die nachdem sie gesehen haben, dass Sugar bei uns gar nicht so ist, wie behauptet wird, keine Berichterstattung mehr machen wollten. Es ist wohl die Sensationslust unserer Gesellschaft, dass eine Beißmaschine, die Kinderwägen zerfetzt, mehr Geld einbringt, als eine Sugar, wie sie wirklich ist.“ Christiane Rohn

29.07.2005 

Beurteilung von Christiane Rohn nach einer Woche, seit sie Sugar zu sich geholt hat:

„Mein erster Eindruck von Sugar im Tierheim Hamburg Süderstraße zeigte mir einen verzweifelten, traurigen und sehr hilflosen Hund. Sie wirkte in keiner Weise gefährlich auf mich. Mein erster körperlicher Kontakt mit Sugar war gekennzeichnet durch eine unermessliche Sehnsucht nach Geborgenheit. Sie kroch in meine Arme und schleckte meine Hände. Unsere erster Spaziergang zeigte mir, wie wenig sie in den letzten Monaten erlebt haben muss, denn sie war nervös, neugierig und suchte ständig den Blickkontakt zu mir. Vom ersten Moment an wollte sie mir alles recht machen. Kleinste Handzeichen und Körpersprache meinerseits genügten, um Sugar zu führen. Unsere Ankunft auf dem Gnadenhof erlebte ich mit Tränen in den Augen, denn Sugar verhielt sich genau gegenteilig zu den Berichten und Gutachten.

Sie begrüßte alle Menschen und Hunde hier auf dem Hof unglaublich freundlich und vorsichtig. Sien, mein kleiner Dackelmischling, wurde zu ihrer besten Freundin (beide sitzen ständig auf meinem Schoß), und auch das gesamte andere Rudel (mehrere Hündinnen und Rüden) akzeptierte sie sofort. Sugar verhält sich auch im Spiel mit anderen Hunden oder Menschen und bei der Fütterung nicht übererregt.

Auffällig für mich ist ihre große Trennungsangst. Sie zeigt Stresssymptomatiken, wenn ich nicht in ihrer Nähe bin und deutliche Erregungszustände, sobald eine unsichere Person sie führt. Sugar ist überfordert, wenn sie selbstständig Entscheidungen treffen muss und neigt in solchen Situationen zu Ersatzhandlungen. Aber nicht einmal dann wirkt sie auf mich unberechenbar oder unkontrolliert. Ihr körperlicher Zustand war vom ersten Tag an geprägt von einer Scheinträchtigkeit, zu wenig Kondition, einer Ohrenentzündung und einer Schürfstelle auf dem Rücken und an der Nase. Sugar wurde tierärztlich behandelt und lebt in unserer Privatwohnung mit anderen Hunden im Rudel zusammen. Sie schläft am allerliebsten auf dem Sofa oder in meinen Armen. Katzen und Gänse würde sie gerne jagen, aber auch hier hat sie sich sofort meiner Meinung angeschlossen, dass wir hier friedlich miteinander leben. Ich habe Sugar auf meine ganz individuelle Art einen Weg gezeigt, ohne jegliche Härte oder Gewalt, einfach mit Verständnis, Klarheit, Vertrauen und Liebe.

Zu jedem Pol gibt es einen Gegenpol. Was bei dem einen Menschen aussehen kann, wie eine Bestie, ist bei dem anderen Menschen besonders feinfühlig.“

„Nicht der Mensch ist vor dem Hund zu schützen, sondern der Mensch vor Menschen, die den Hund zum Eigennutz benutzen.“         Christiane Rohn

 

 

       


 

 

 

 

Artos

Am 11. März 2005 wurde der völlig abgemagerte Artos, ein zweijähriger Dogo Argentino, von einer Tierschutzorganisation aus einer ungarischen Tötungsstation zu uns gebracht. Er hatte 10 Tage nichts zu fressen bekommen und war dort in einer viel zu engen Box (in der er nicht einmal stehen konnte!) verwahrt worden, deshalb auch die vielen wundgelegenen Stellen. Sein Schicksal war es, auf seinen Tod durch Erschlagen zu warten.


Artos heute: