Interview mit Christiane Rohn

Um möglichst vielen Tieren eine Zuflucht bieten zu können, gründete Christiane Rohn im Jahr 1999 den als gemeinnützig anerkannten Verein "Lebenswürde für Tiere e.V.", dessen Erste Vorsitzende sie ist. Christiane Rohn arbeitet als Hauptverantwortliche ehrenamtlich und unterstützt den Hof darüber hinaus wesentlich mit ihren Einkünften aus Vorträgen, Seminaren, Beratungen, Buch- und Bildverkäufen. Seit über 18 Jahren investiert sie ihre Energie und vor allem ihre Kenntnisse und Erfahrungen erfolgreich in die Arbeit mit verhaltensauffälligen Tieren.
Im Interview spricht Sie über Ihre Lebensaufgabe.
Frau Christiane Rohn, wann, wo, wie haben Sie erstmals die Gewissheit in sich gespürt, dass Ihr ganzes Leben ein Leben mit und für Tiere in Not wird?
Christiane Rohn:
"Von Kind an habe ich mich für alles Leben interessiert. Mein Großvater und meine Tante, die Zoologie und Verhaltensforschung studiert hat, haben meinen Weg sehr geprägt. Beide haben mich gelehrt, mit Tieren gleichwertig zu kommunizieren, ohne sie unterzuordnen. Als Jugendliche nahm ich jede Gelegenheit war, um zu lernen. Ich half in Tierheimen, bei Schäfern, in Landwirtschaften, in Reitställen und immer wieder fiel mir der Nutzanspruch der Menschen auf, den sie an die Tiere hatten und die vielen Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Mensch und Tier. So fing ich an, sobald ich mein erstes Geld verdiente, den Tieren zu helfen, die missverstanden, ungerecht behandelt oder sogar misshandelt wurden und denen der Tod kurz bevor stand. Eben denjenigen, die nirgendwo anders eine Chance bekamen."
Was war auf dem Weg zur Realisierung des Argenhofs Ihr prägendstes Tiererlebnis?
Christiane Rohn:
"Mein prägendstes Tiererlebnis kann ich kaum beschreiben, denn jedes Erlebnis mit Tieren ist für mich sehr individuell und prägend. Tashun, eine Schäferhündin, die vier Jahre lang wild in unserer Region gelebt hatte und von den Anwohnern nur als nächtlicher Schatten wahrgenommen wurde, ihr Vertrauen zu mir hat mich sehr berührt. Jäger machten Jagd auf sie, weil immer mehr Menschen Angst vor ihr bekamen. Eine Anwohnerin bat mich, dem Hund doch zu helfen und wir erkundeten ihre nächtlichen Streifzüge. Als sie eines Abends Katzenfutter in einem Garten klaute und wir das Tor schlossen, kam sie langsam auf mich zu und schlüpfte in meinen Arm. Seit diesem Tag lebte sie an meiner Seite, passte auf mich auf und half vielen Hunden auf dem Argenhof, wieder Vertrauen zu fassen. Prägend war für mich, dass 'Tashun' nicht alleine sein wollte, ihre Freiheit mit einer Freiheit in der Gemeinschaft tauschte."
Was bedeutet die "Arche an der Argen" für Sie? Was wollen Sie damit anderen vermitteln?
Christiane Rohn:
"Die Arche an der Argen ist ein Ort der Geborgenheit. Kein anderes Wort würde diesen Ort passender beschreiben. Hier können sich Tiere und Menschen erholen, neues Vertrauen gewinnen und sich selber sein. Viele von ihnen finden ein neues Zuhause, andere bleiben für immer auf der Arche, so wie es für jeden einzelnen das beste ist. Die Arche an der Argen ist kein statischer Ort, sondern ein Schiff, dass sich bewegt, weiter entwickelt und für diejenigen, die Hilfe benötigen, anhält."
Ihre Argenhof-Tiere hatten wirklich großes Glück – was tun Sie für die vielen anderen Tiere, denen niemand hilft?
Christiane Rohn:
"Wir haben über Jahre hinweg ein großes Netzwerk mit anderen Tierschutzorganisationen gebildet, so dass wir fast jedem Tier, das zu uns findet, weiterhelfen können; uns zumindest aber nachhaltig darum bemühen. Darüber hinaus gibt es überall in unserer Gesellschaft unzählige Tiere, die anonym und oft im Verborgenen leiden. Indem wir Menschen zum Argenhof bringen, indem wir die Lebensschicksale unserer Tiere aus der Not, quasi stellvertretend für alle anderen publizieren, wollen wir ein Mut machendes Zeichen für Tierliebe, Zivilcourage in die Öffentlichkeit, die Familien und Schulen senden. Es ist ein kleines aktives Präventionsprogramm entsprechend unserer Botschaft: 'Tier – Mensch – Natur – Aus Respekt vor dem Leben Beispiel geben'."
Das alles geht nur, wenn möglichst viele Menschen Ihnen helfen. Und das bedeutet auch, dass Sie um Geld bitten. Tierliebe und Geld - wie geht das gut?
Christiane Rohn:
"Diese Frage trifft den sensibelsten Punkt überhaupt. Beinahe nichts auf dieser Welt geht letztlich ohne Geld. Geld für einen guten Zweck muss direkt nachweisbar und ohne überhöhte Nebenkosten den Tieren aus der Not helfen. Das ist unser Credo!
Um Unterstützung zu werben, setzt Information, laufende Kommunikation und ständige Kontrolle voraus. Darum bemühen wir uns, wie beispielsweise unsere Spenden- und Infobriefe 2010 belegen. Die Gemeinnützigkeitsüberprüfung der Finanzbehörden, zuerst aber die interne Kontrolle durch unseren Vorstand, speziell unserer Kassiererin und der Revisoren, achten genauestens auf die Zweckbestimmung der Mittelverwendung.
Unsere Spendenaufrufe appellieren an Ihr Herz, Ihre Emotionen; aber wir achten zugleich auf eine Balance hinsichtlich unserer Entwicklungsziele und den wichtigsten Fakten. Wir werben für unsere Vision und eine Entwicklung, die Sie z.B. unter Argenhof 2020 nachlesen können. So entsteht als Fundament von Tierliebe und Geld sowie der unverzichtbaren Kontrolle das Wichtigste überhaupt: Vertrauen und Seriosität."
"Ein sicherer Platz auf unserer Arche
für Tiere aus der Not"
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Die nächsten Termine:
Samstag, 19.05.2012
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